Behandlung chronischer Wunden

05.01.2021 Promedica24 Redaktion
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Chronische Wunde: Behandlung und Schmerztherapie in der Pflege

Von einer chronischen Wunde sprechen Mediziner meist, wenn der normale Heilungsprozess gestört ist und sich trotz Behandlung nach 4 bis 12 Wochen keine Besserung eingestellt hat. Betroffene leiden an körperlichen Beeinträchtigungen wie Schmerzen, sind auf fremde Hilfe angewiesen und in ihrem Sozialleben häufig eingeschränkt.

Pflege und Versorgung erfordern besondere Sorgfalt. Hier erhalten Sie grundlegende Informationen zu den verschiedenen Behandlungsansätzen von chronischen Wunden. Darüber hinaus informieren wir Sie, welche Arten von chronischen Wunden es gibt und welche Ursachen und Risikofaktoren zugrunde liegen. Außerdem halten wir wertvolle Tipps für pflegende Angehörige für Sie bereit.

Was ist eine chronische Wunde?

Eine chronische Wunde zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Verzögerter Heilungsprozess – trotz fachgerechter Wundversorgung ist auch nach 4 bis 12 Wochen keine Heilung in Sicht.
  • Wunde sondert Flüssigkeit ab, sie „nässt
  • Wunde riecht stark und unangenehm
  • Rötliche bis braune Verfärbungen um die Wunde herum
  • Schwarze, gelbliche und auch schmierige Beläge auf der Wunde

Eine Wunde gilt bei Mediziner auch als chronisch, wenn sie an die Behandlung einer weiterhin bestehenden Krankheit geknüpft ist. Die Wunde wird dann von Beginn an als chronisch eingestuft.

Eine sorgfältige Wunddokumentation hilft dabei, den Verlauf der Wundheilung beziehungsweise das Ausbleiben einer Besserung zu erkennen.

 

Was sind die Ursachen von chronischen Wunden?

Chronischen Wunden liegen verschiedene Ursachen zugrunde:

  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Reaktionen des körpereigenen Abwehrsystems
  • Gefäßkrankheiten, z. B. Durchblutungsstörungen der Arterien oder Venen
  • Infektionen
  • Minderdurchblutung – etwa durch Bettlägerigkeit
 

Welche Arten von chronischen Wunden gibt es?

Es gibt unterschiedliche Arten von chronischen Wunden, die häufigsten stellen wir Ihnen im Folgenden kurz vor:

Diabetischer Fuß/diabetisches Fußsyndrom

Der diabetische Fuß ist eine Folgeerkrankung von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Durch die Grunderkrankung Diabetes kommt es zu einer herabgesetzten Durchblutung (Minderperfusion). Auch verlieren die Hautnerven an Empfindlichkeit. Die Folgen: Erkrankte bemerken Verletzungen häufig nicht, diese können sich leicht entzünden. Wunden heilen schlecht. Offene Geschwüre (Ulkus) können entstehen.

Wundliegegeschwür

Die Haut oder das Unterhautgewebe wird schlecht durchblutet. Meist ruft Bettlägerigkeit diese Minderdurchblutung hervor. Krankhafte Ansammlungen von Flüssigkeit im Gewebe (Ödeme), Blasen und Blutgerinnsel folgen. Gewebe stirbt ab (Nekrose), schlecht heilende Geschwüre entstehen.

Unterschenkelgeschwür

Reaktionen des körpereigenen Abwehrsystems, Gefäßkrankheiten oder Infektionen sind die Ursache. Eine tiefe Unterschenkelwunde, die meist nässt, ist die Folge.

 

So wird eine chronische Wunde behandelt

Auf welche Weise behandeln Mediziner eine chronische Wunde? Bei der Behandlung kommen meist klassische Methoden zum Einsatz. Neue Therapieformen sind teilweise noch im Experimentierstadium und versprechen Hoffnung, wo Ärzte mit herkömmlichen Vorgehensweisen an die Grenzen kommen. Parallel zur eigentlichen Therapie der Wunde ist außerdem häufig auch eine Minderung der Schmerzen notwendig.

 

Klassischer Ansatz

Zunächst begutachtet der Arzt die Wunde ausgiebig. Stellt er fest, dass Gewebe bereits abgestorben oder stark infiziert ist oder sich Beläge gebildet haben, entschließt er sich möglicherweise zu einem Débridement, auch Wundtoilette genannt. Dabei entfernt er das betroffene Gewebe und teilweise auch noch an die Wundränder angrenzendes Material. Meist geschieht dies mithilfe chirurgischer Instrumente und unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung. Mit Kochsalzlösungen oder Wundspüllösungen mit chemischen Zusätzen wird die Wunde gespült. Dies geschieht in der Regel jedes Mal, wenn ein Verbandswechsel ansteht.

Haben Bakterien oder Viren eine Infektion ausgelöst, behandeln Ärzte örtlich auch mit Antiseptika. Dies ist ein Wirkstoff, der Mikroorganismen wie Viren und Bakterien bekämpft. Nur wenn sich die Infektion bereits weiter ausgebreitet hat und Symptome wie Fieber hervorruft, werden auch Antibiotika verordnet. Ist die Wunde schließlich versorgt und die Wundreinigung abgeschlossen, deckt der Mediziner oder eine medizinische Fachkraft sie noch mit geeignetem Verbandsstoff, sogenannten Wundauflagen ab.

Bei der Behandlung einer chronischen Wunde ist der Einsatz der passenden Wundauflage enorm wichtig.

Abdecken der Wunde mit Wundauflagen

Die Wundauflagen spielen bei der Behandlung von chronischen Wunden eine wichtige Rolle. Grundsätzlich soll im Wundbereich eine feuchte Umgebung erhalten oder geschaffen werden. Besonders bei stark nässenden Wunden soll der Verbandsstoff aber auch Wundsekret gut aufnehmen. Es gibt drei unterschiedliche Arten von Wundauflagen:

  • Inaktive Wundauflagen: Dazu gehören beispielsweise Mullkompressen, Gaze und Vliesstoffe. Sie sind besonders saugstark und dienen außerdem als schützende Barriere. Um ein Verkleben mit der Wunde zu verhindern, müssen die Stoffe vorher eventuell mit bestimmten Lösungen oder Fetten behandelt werden.
  • Interaktive Wundauflagen: Sie sorgen für ein feuchtes und warmes Wundmilieu und fördern so den Heilungsprozess. Zum Einsatz kommen etwa Hydrogele oder -fasern, spezielle Folien, Polyschaumverbände oder Hydrokolloiden.
  • Aktive Wundauflagen: Diese Art von Wundauflage kommt in Spezialfällen zum Einsatz. Sie besteht aus bioaktiven Materialien, etwa menschlicher Haut oder Zuchtzellen.
 

Neue Therapieformen

Manch eine chronische Wunde macht die Behandlung schwer: Die Wunde will trotz großer Sorgfalt bei der Wundbehandlung und der Ausschöpfung klassischer Methoden einfach nicht heilen. Experten suchen deshalb stets nach neuen Wegen der Therapie. Seit einigen Jahren werden beispielsweise verschiedenen Wundauflagen tierischen Ursprungs getestet: Gewebe von Rindern oder Schweinen, aber auch Fischhaut. Das Material dient menschlichen Zellen als Gerüst, so können sich diese besser wieder ansiedeln. Bei der Wundtoilette lassen sich Chirurgen mitunter von Maden die Arbeit abnehmen: In ein unpassierbares Säckchen gepackt, reinigen die Larven der Goldfliege selbst schwer zugängliche Bereiche einer chronischen Wunde. Das Wundmilieu verbessern und die Haut zum Wachsen anregen soll die Vakuum-Versiegelungstherapie: Nach der luftdichten Versiegelung der Wunde, saugt eine Pumpe austretendes Wundsekret ab. Der entstehende Sog soll die Durchblutung verbessern und Wachstumsreize schaffen.

 

Chronische Wunde – Behandlung erfordert häufig Schmerzmanagement

Patienten mit chronischen Wunden leiden oft unter Schmerzen. Diese gehen von der Wunde selbst aus, entstehen jedoch auch bei der Wundbehandlung, wenn der empfindliche Bereich berührt werden muss – beispielsweise bei einem Verbandswechsel. Je nach Stärke der Schmerzen und Situation lindern betäubende Salben als Lokaltherapie oder Medikamente in Form von Schmerztabletten, Schmerzspritzen oder Infusionen das Leid. Bei andauernden und dadurch seelisch belastenden Schmerzen kann ein Therapeut helfen, den Alltag besser zu bewältigen. Weitere nicht medikamentöse Maßnahmen sind zum Beispiel Akupunktur oder autogenes Training.

 

3 hilfreiche Tipps für pflegende Angehörige bei der Behandlung chronischer Wunden

  • Mit der richtigen Ernährung unterstützen: Ein abwechslungsreicher, ausgewogener Speiseplan fördert unter anderem den Wundheilungsprozess und stärkt das Immunsystem. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr wichtiger Nährstoffe wie Proteine, Zink, Eisen und Vitamine und darauf, dass der Patient genug Flüssigkeit zu sich nimmt.
  • Für Hygiene & Pflege sorgen: Auf eine einwandfreie Hygiene sollte strengstens geachtet werden – gerade bei Haustierhaltung. Keime können zu einer Infektion der Wunde führen. Besonders bei bettlägerigen Angehörigen hilft die tägliche, regelmäßige Körperpflege, die Haut gesund und unbeschadet zu halten.
  • Das können Sie bei Wundgeruch tun: Wechseln Sie – wenn nötig täglich – verschmutzte Bettwäsche und Kleidungsstücke. Lüften Sie regelmäßig. Probieren Sie, ob Raumdüfte oder Duftlampen Abhilfe schaffen – meist tun sie dies jedoch nur kurzzeitig. Informieren Sie sich beim Arzt oder der Pflegefachkraft, ob geruchsreduzierende Verbandstoffe aus Aktivkohlefasern eine Möglichkeit sind.

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