Palliativpflege: Begleitung in der letzten Lebensphase

24.08.2021 Promedica24 Redaktion
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Drei von vier Deutschen wünschen sich, nicht im Krankenhaus zu sterben. Palliativpflege ist ein speziell konzipiertes Pflegemodell für sterbenskranke Menschen und bietet eine Alternative zu Krankenhäusern und Pflegeheimen. Die Palliativpflege soll die Lebensqualität von Menschen in ihrer „letzten Lebensphase“ steigern und ihnen ein würdevolles Altern ermöglichen. Im Zuge der Palliativversorgung sollen vor allem die Symptome der Patienten gelindert werden.

Eine palliative Betreuung beinhaltet auch eine psychologische Fürsorge. Dadurch wird versucht den Erkrankten ihre Ängste zu nehmen. Gerade die Angst vor Leid oder Schmerzen stellt für Erkrankte oft eine erhebliche Belastung dar. Durch die verschiedenen Durchführungsmodelle der Palliativpflege ist es den Betroffenen möglich, ihren Lebensabend im heimischen Umfeld zu verbringen. Dabei werden die Patienten zu jeder Zeit adäquat betreut und in ihrem Alltag begleitet. Diese ganzheitliche Pflegeleistung kann beispielsweise durch Hospizdienste oder speziell ausgebildete „SAPV-Teams“ (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung) erfolgen.

Was ist Palliativpflege?

Palliativpflege bezeichnet die Betreuung und Begleitung von schwer kranken Menschen oder Menschen mit degenerativen Erkrankungen während ihrer letzten Lebensphase. Im Gegensatz zur kurativen Therapie, die durch Bekämpfung von Ursachen und Symptomen die vollständige Genesung des Patienten erreichen will, ist die palliative Pflege darauf beschränkt, die Symptome und Schmerzen der Patienten einzudämmen und nach Möglichkeit zu lindern.

Die Palliativpflege soll dazu dienen, die Lebensqualität der Betroffenen so weit wie möglich zu erhalten oder sogar zu verbessern. Vor allem soll dabei das Leben nicht auf Kosten der Qualität verlängert werden. Die Palliativpflege distanziert sich jedoch deutlich von Maßnahmen der aktiven Sterbehilfe.

Sie beinhaltet nicht nur die palliativmedizinische Versorgung der Betroffenen, sondern auch soziale Interaktion, psychologische Betreuung und spirituelle Seelsorge . Dabei soll den Pflegeempfängern die Möglichkeit erhalten bleiben, ihren Lebensabend im gewohnten, heimischen Umfeld zu verbringen. Die Palliativpflege kann allerdings auch ambulant oder stationär von verschiedenen Institutionen durchgeführt werden.

Senioren im Altersheim – Palliativpflege

Auch die Angehörigen der Betroffenen können im Zuge der Palliativversorgung durch diese Instanzen Unterstützung und Beratung erhalten. Palliativpflege kann in unterschiedlichen Modellen sowohl in einem Hospiz oder einer Klinik als auch Zuhause durchgeführt werden.

Zudem kann die Palliativbetreuung auch in einem Tageshospiz in Anspruch genommen werden. Die Patienten erhalten hier für einen oder mehrere Tage pro Woche adäquate Pflege und Versorgung am Tag und können abends in ihr eigenes Zuhause zurück. Oftmals wird dieses Tageshospiz von regulären Hospizen eingerichtet und betrieben.

Modelle der Palliativversorgung zu Hause

Sofern der Gesundheitszustand der Pflegeempfänger es zulässt, kann er auf verschiedenen Wegen Palliativpflege in heimischer Umgebung erhalten. Durch eine adäquate Rundumversorgung und Symptomkontrolle der Patienten kann die Einweisung in ein Krankenhaus vermieden werden. Neben den ambulanten Palliativpflegediensten gibt es in Deutschland noch über 500 stationäre Einrichtungen, die sich auf die Palliativversorgung spezialisiert haben (Stand: Dezember 2016).

Palliative-Care-Teams

Die Palliative-Care-Teams werden offiziell als „Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung“ bezeichnet. Zum Palliativteam gehören in jedem Fall ausgebildete Palliativmediziner und -pfleger, die ihre Tätigkeit hauptamtlich ausführen. Im Idealfall werden diese durch einige ehrenamtliche Pfleger unterstützt. Zudem können Seelsorger, Sozialarbeiter oder Psychologen zum Palliative-Care-Team gehören. Die Teams können sowohl in der ambulanten Palliativpflege bei den Patienten zuhause, als auch stationär in Krankenhäusern tätig sein. Zur Vermeidung einer Krankenhauseinweisung müssen die ambulanten Teams für den Pflegeempfänger zu jeder Zeit erreichbar und in Bereitschaft sein.

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung

Seit 2007 hat jeder der an einer fortschreitenden, unheilbaren Krankheit leidet, die eine besonders aufwendige Betreuung erfordert, Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung (§ 37b Sozialgesetzbuch Fünf). Die Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) beinhaltet neben ärztlichen und pflegerischen Leistungen auch eine 24-stündige Bereitschaft, sowie eine psychologische und soziale Betreuung. Um dies zu gewährleisten, wird die SAPV in Kooperation mit beispielsweise Seelsorge-Einrichtungen, Sozialarbeitern oder auch ambulanten Pflegeteams erbracht.

Ambulante Pflegedienste mit spezialisierten Palliativpflegern

Die Zahl der ambulanten Pflegedienste in Deutschland, die geprüfte Pflegekräfte mit einer Zusatzausbildung zum Palliativpfleger beschäftigen, steigt stetig. Diese Pflegedienste übernehmen Aufgaben wie die Überwachung der entsprechenden Therapien des Pflegeempfängers und andere palliative Pflegemaßnahmen. Dabei sollen die Pfleger verständnisvolle und unterstützende Begleiter der Patienten sein. Oftmals arbeiten diese Pflegedienste eng mit den SAPV-Teams zusammen.

Ambulante Hospizdienste

Ambulante Hospizdienste erbringen keine medizinische oder pflegerische Leistung im eigentlichen Sinne. Palliativpatienten erhalten durch die Hospizdienste psychosoziale und spirituelle Betreuung. Sie helfen den Betroffenen beispielsweise bei der Bewältigung des Haushalts oder gehen mit ihnen spazieren und helfen schwer erkrankten Menschen und ihren Angehörigen beim Umgang mit ihrer belastenden Situation.

Haushaltshilfe während der Palliativpflege

Eine weitere Möglichkeit, die Einweisung in ein Krankenhaus zu vermeiden sind reguläre Hospize. Hospize werden nicht als Pflegeheime verstanden, wenngleich die Patienten in den meisten Fällen auch im Hospiz leben. In diesen Einrichtungen wird nach Möglichkeit alles vermieden, was eine Krankenhaus-ähnliche Atmosphäre erzeugen könnte (abgesehen von den erforderlichen medizinischen Geräten).
Die Hospizarbeit wird sowohl von Ärzten, Pflegern und Physiotherapeuten, als auch Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialarbeitern übernommen. Neben Vertretern aller Glaubensrichtungen sind in Hospizen wie bei den ambulanten Hospizdiensten viele ehrenamtliche Begleiter tätig. Einige Hospize bieten auch die Möglichkeit, Palliativpatienten nur tagsüber zu betreuen und zu beherbergen, sodass diese die Nacht im eigenen Zuhause verbringen können.

Palliative Betreuung in Pflegeheimen

Der Umfang und die Art der Palliativpflege in Pflegeheimen hängen in hohem Maße von der Haltung von Trägerschaft und Heimleitung und nicht zuletzt vom Pflegepersonal ab. Bevor man sich in ein Pflegeheim begibt, sollte man daher prüfen, ob die Politik und Philosophie der Einrichtung mit den eigenen Wünschen übereinstimmen. Dabei ist nicht nur der Umgang mit der Palliativpflege entscheidend. Der Umgang mit dem Tod anderer Mitbewohner und die angebotene Unterstützung für die Angehörigen sollten ebenso vorher in Erfahrung gebracht werden. Auch ob und wie eine Krankenhauseinweisung in der letzten Lebensphase in dem jeweiligen Hospiz vermieden wird, sollte im Vorfeld überprüft werden.

Ambulante Palliativpflege-Teams und Hospizdienste finden

Wer sich über Angebote der Palliativversorgung in seiner Nähe informieren möchte, kann dazu ein Angebot der DGP (Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V.) nutzen. Die DGP stellt auf ihrer Internetseite eine Suchfunktion* zur Verfügung, die anhand der Postleitzahl geeignete Dienstleister und Einrichtungen in der Umgebung anzeigt.
(*http://www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de/)

Wer übernimmt die Kosten der Palliativpflege?

Die Kosten für eine Palliativversorgung zu Hause trägt nach der Änderung des SGB V (Sozialgesetzbuch Fünf) die Krankenkasse des Betroffenen. Auch die Kosten einer stationären Palliativversorgung müssen zu einem Teil von der Krankenkasse getragen werden.

Menschen, die nach § 37b des SGB V ein Anrecht auf Palliativpflege haben, müssen die Kosten für eine ambulante Versorgung nicht selber tragen. Die Krankenkassen tragen die Kosten für die Pflege und handeln dazu entsprechende Verträge mit den geeigneten Pflegedienstleistern wie SAPV-Teams und ambulanten Hospizdiensten aus. Auch die Kosten für den Aufenthalt auf einer Palliativstation im Krankenhaus werden von den Krankenkassen der Palliativpatienten übernommen.

Personen die Palliativpflege in einem Pflegeheim oder Altenheim erhalten, müssen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung in der Einrichtung weiterhin selbst tragen. Die Palliativversorgung wird dabei jedoch von den Krankenkassen finanziert. Wurde eine Pflegeversicherung abgeschlossen, werden die Kosten für den Aufenthalt im Pflegeheim durch diese bezuschusst oder übernommen. Die genaue Höhe der ihm zustehenden Leistungen ist abhängig von dem Pflegegrad des Pflegeempfängers. (Hinweis: Seit 2017 haben die Pflegegrade die Pflegestufen abgelöst.)

Beratung , Unterstützungsangebote für Patienten und Angehörige, sowie die ehrenamtliche Begleitung sind in jedem dieser Fälle kostenlos und werden zum Teil von den Krankenkassen finanziert. Außerdem werden die Hospize von den Krankenkassen bezuschusst, um ehrenamtliche Mitarbeiter zu gewinnen und für die Palliativversorgung auszubilden, sowie Fachpersonal entsprechend weiterzubilden.

Palliativpflege für Demenzpatienten

Gerade der Umgang mit Demenzpatienten ist aufgrund ihres Zustands sehr kompliziert. Demenzkranke können meistens nicht mehr ohne Hilfe gehen und benötigen Unterstützung beim Essen und Trinken . Die Erkrankten können sich ihrer Umwelt auch nicht mehr im gewohnten Ausmaß mitteilen. Sie verlieren Gedächtnis und Sprache, sodass sie Bedürfnisse und Schmerzen nicht mehr kommunizieren können. Daher ist es schwer den Beginn der letzten Lebensphase bei Patienten mit Demenz genau zu bestimmen.

Senior mit Pfleger im eigenen Zuhause – Sterbebegleitung

Die Handlungen und Reaktionen von Demenzpatienten können meist nicht eindeutig interpretiert werden und sind daher schwer zu deuten. Aussagen über den Zustand des Patienten sind auch für Mediziner nur im Austausch mit Menschen aus ihrem Umfeld möglich, um verschiedene Eindrücke zu gewinnen. Zu diesen Personen zählen sowohl die Familie und enge Freunde des Demenzkranken, als auch der Hausarzt und eventuell eingesetztes Pflegepersonal.

Freistellung von der Arbeit für die „Begleitung der letzten Lebensphase“

Jeder hat zudem die Möglichkeit sich für die „Begleitung der letzten Lebensphase“ eines sterbenden Angehörigen für drei Monate (dauerhaft oder in Teilzeit) von der Arbeit freistellen zu lassen. Hier handelt es sich um eine unbezahlte Freistellung. Benötigt der Pflegende in dieser Zeit der palliativen Begleitung (Sterbebegleitung) finanzielle Unterstützung, hat er laut Familiengesetz §3 Anspruch auf ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familien und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA).

Voraussetzung dafür ist eine Verwandtschaft bis zum zweiten Grad mit dem Pflegeempfänger. Dazu zählen: direkte Verwandte (Kinder, Eltern, Geschwister, usw.), Großeltern, Schwiegereltern und Stiefeltern, Ehegatten und Lebenspartner, Schwäger, sowie Adoptiv-, Pflege-, Schwieger- oder Enkelkinder. Zudem muss ein entsprechendes Formular und ein ärztliches Zeugnis beim Arbeitgeber vorgelegt werden, um den Anspruch auf Freistellung geltend machen zu können.

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