Grundpflege zu Hause meistern – was jetzt wirklich zählt
Können Sie sich vorstellen, jeden Morgen bei der Körperpflege Hilfe zu brauchen? Über 4 Millionen Menschen in Deutschland erleben das täglich. Erfahren Sie, was Grundpflege bedeutet und wie Sie Angehörige begleiten.

Das Wichtigste im Überblick
- Die Grundpflege unterstützt hilfsbedürftige Menschen bei körpernahen Alltagsaufgaben wie Waschen, Ernährung oder Mobilität.
- Sie bildet eine Säule der häuslichen Pflege und verhindert durch gezielte Vorbeugung Folgeschäden.
- Experten unterscheiden zwischen der kleinen und der großen Grundpflege.
- Versicherte erhalten ab Pflegegrad 2 finanzielle Hilfen für pflegerische Einsätze.
- Pflegekassen übernehmen Grundpflege-Kosten im Rahmen der Pflegesachleistungen oder zahlen Pflegegeld aus.
- Die Ausführung übernehmen Pflegedienste, Angehörige oder 24h Betreuungskräfte.
- Wer darf die Grundpflege durchführen? Neben Fachkräften unterstützen auch geschulte Betreuungspersonen im Alltag.
Was ist Grundpflege?
Die Grundpflege beinhaltet alle wiederkehrenden Tätigkeiten, die Pflegebedürftige im Alltag nicht mehr eigenständig bewältigen. Sie sichert das Wohlbefinden und bewahrt die Selbstständigkeit der Betroffenen. Sie unterscheidet sich grundlegend von medizinischen Maßnahmen.
Pflegekräfte unterstützen Pflegebedürftige genau dort, wo die eigenen Kräfte nachlassen. Die Pflege sichert die tägliche Hygiene, die Nahrungsaufnahme und die Bewegung in den eigenen vier Wänden.
Was fällt unter die Grundpflege Leistungen?
Die Grundpflege-Leistungen gliedern sich in vier zentrale Bereiche des täglichen Lebens.
- Körperpflege: Das Waschen gehört zu den Kernaufgaben. Pflegekräfte helfen beim Zähneputzen, Kämmen und Rasieren. Auch die Intimpflege und die Hautpflege fallen unter diesen Bereich.
- Ernährung: Pflegebedürftige benötigen oft Unterstützung beim Essen und Trinken. Die Hilfe reicht vom zerkleinerten Anrichten der Speisen bis zum Anreichen der Mahlzeiten. Auch das Vorbereiten von Spezialnahrung gehört dazu.
- Mobilität: Beim Aufstehen, Setzen und Hinlegen greifen Pflegekräfte helfend unter die Arme. Betroffene benötigen Begleitung beim Treppensteigen oder beim Anziehen von Anziehhilfen. Das richtige Lagern schützt den Körper vor Verletzungen und Schmerzen.
- Ausscheidungen: Die Begleitung zum Toilettengang erfordert viel Fingerspitzengefühl. Dazu zählen der Wechsel von Inkontinenzmaterialien und das Reinigen nach dem Stuhlgang.
| Leistungsbereich | Aufgaben der Grundpflege | |
| Körperpflege | Waschen, Duschen, Zähneputzen, Rasieren, Hautpflege | |
| Ernährung | Mundgerechtes Zubereiten, Anreichen von Speisen und Getränken | |
| Mobilität | Hilfe beim Aufstehen, Umlagern, Gehen, An- und Auskleiden | |
| Ausscheidungen | Begleitung zur Toilette, Wechsel von Inkontinenzhilfen |
Was ist der Unterschied zwischen kleiner und großer Grundpflege?
Die Unterscheidung richtet sich nach dem Aufwand der Pflege. Ambulante Pflegedienste rechnen ihre Einsätze häufig über diese Pauschalen ab.
UMFANG DER GRUNDPFLEGE
KLEINE GRUNDPFLEGE
- Teilwaschung
- Mundpflege
- An- und Auskleiden
- Hilfen beim Toilettengang
GROßE GRUNDPFLEGE
- Ganzkörperwaschung
- Intimpflege & Haare
- Komplettes Ankleiden
- Aufwendiges Lagern
Die kleine Grundpflege beschränkt sich auf Teilbereiche der Körperpflege, wie das Waschen von Händen und Gesicht. Sie beinhaltet das Ankleiden und einfache Hilfen beim Gang zur Toilette.
Die große Grundpflege umfasst die komplette Körperwaschung am Waschbecken, in der Dusche oder in der Badewanne. Sie schließt die Haarpflege, die Rasur sowie aufwendige Lagerungen im Bett ein.
Grundpflege vs. Behandlungspflege: Wo liegt der Unterschied?
Viele Angehörige verwechseln diese beiden Begriffe im Pflegealltag. Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede auf:
| Merkmal | Grundpflege | Behandlungspflege |
| Ziel | Hilfe bei alltäglichen Verrichtungen | Medizinische Versorgung von Krankheiten |
| Aufgaben | Waschen, Essen, Bewegen, Toilettengang | Medikamentengabe, Verbandswechsel, Injektionen |
| Kostenträger | Pflegeversicherung (SGB XI) | Krankenkasse (SGB V) |
| Voraussetzung | Pflegegrad (1 bis 5) | Ärztliche Verordnung |
Die Behandlungspflege dient der Heilung oder Linderung von Krankheiten. Der Arzt verordnet diese Maßnahmen direkt. Die Grundpflege deckt dagegen die reinen Alltagsbedürfnisse ab.
Wer darf Grundpflege durchführen?
Die Ausführung erfordert rechtlich keine dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft.
Angehörige übernehmen einen Großteil der Aufgaben in der häuslichen Umgebung. Ambulante Pflegedienste schicken ausgebildete Fachkräfte oder geschulte Pflegehelfer zu Ihnen nach Hause. Auch geschulte 24h Betreuungskräfte aus dem Bereich der häuslichen Betreuung unterstützen bei Handgriffen der Grundpflege.
Wie hoch sind die Grundpflege Kosten bei welchem Pflegegrad?
Die Kosten der Grundpflege variieren je nach Pflegebedarf und gewählter Hilfsform. Die Pflegekasse übernimmt Kosten, sobald ein anerkannter Pflegegrad vorliegt.
PFLEGEGRAD 1: Beratung & Entlastungsbetrag (125 €)
PFLEGEGRAD 2 – 5: Sachleistungen / Pflegegeld
Die Betroffenen erhalten Grundpflege bei Pflegegrad 2 bis 5 über zwei Wege:
- Pflegesachleistungen: Der ambulante Pflegedienst rechnet direkt mit der Kasse ab.
- Pflegegeld: Angehörige erhalten das Geld direkt auf ihr Konto ausgezahlt.
Eine Kombination aus beiden Leistungen sichert eine flexible Pflege zu Hause.
Step-by-Step: So sichern Sie sich die Grundpflege Leistungen
- Pflegegrad beantragen: Stellen Sie einen Antrag bei der zuständigen Pflegekasse.
- Begutachtung vorbereiten: Der Medizinische Dienst prüft die Selbstständigkeit vor Ort.
- Pflegetagebuch führen: Dokumentieren Sie alle Hilfestellungen im Tagesablauf genau.
- Pflegeform wählen: Entscheiden Sie zwischen Pflegegeld, Pflegedienst oder 24 Stunden Betreuung.
- Leistungen kombinieren: Nutzen Sie zusätzlich den Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich.
Top 9 Tipps für Angehörige zur Grundpflege zu Hause
- Führen Sie feste Tagesabläufe und Routinen für mehr Sicherheit ein.
- Beziehen Sie Pflegebedürftige aktiv in jede Bewegung mit ein.
- Schaffen Sie barrierefreie Durchgänge im Bad und Schlafzimmer.
- Nutzen Sie ergonomische Hilfsmittel wie Haltegriffe und Duschstühle.
- Achten Sie streng auf Händehygiene und nutzen Sie Einmalhandschuhe.
- Pflegen Sie die Haut nach jedem Waschen mit rückfettenden Salben.
- Wechseln Sie regelmäßig die Liegeposition zur Vorbeugung von Wundliegen.
- Nehmen Sie an kostenlosen Pflegeschulungen der Pflegekassen teil.
- Organisieren Sie rechtzeitig eine kontinuierliche Unterstützung für das eigene Zuhause.
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