Inkontinenz im Alter – Was versteht man darunter?

18.06.2021 Promedica24-Redaktion
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Inkontinenz zu haben, ist für die meisten Betroffenen mit großem Schamgefühl verbunden. Denn sie verlieren die Kontrolle über einen Teilbereich ihres Körpers. Kontrollverlust bewirkt Angst und dies erschwert die normale Teilnahme am sozialen Leben.

An einer Puppe werden zum üben Inkontinenz-Windeln angebracht

Das Wichtigste im Überblick

  • Inkontinenz bedeutet, den Zeitpunkt der Entleerung von Blase und Darm nicht kontrollieren zu können.
  • Es gibt zwei Formen: Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz
  • Unterschieden wird Inkontinenz nach Graden: leichte und schwere Inkontinenz
  • Im Geschlechtervergleich haben bedeutend mehr Frauen als Männer Inkontinenz.
  • Die Wahrscheinlichkeit für Inkontinenz nimmt mit dem Alter zu.
  • Die Ursachen sind überwiegend körperlichen Ursprungs. Psychische Probleme können sich auf langer Sicht auf die Fitness der Körperfunktionen auswirken. Inkontinenz ist dann durchaus eine Folge dessen.

Was bedeutet Inkontinenz für die Patienten?

Eine Person, die unter Inkontinenz leidet, kann den Zeitpunkt der Entleerung von Blase oder Darm nicht selbständig kontrollieren. Inkontinenz im Alter ist keine Seltenheit. In Deutschland haben etwa Millionen Menschen Inkontinenz. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer und Senioren öfter als junge Leute.

Welche Formen und Grade von Inkontinenz gibt es?

Unterschieden wird sowohl in Formen als auch in Graden der Inkontinenz. Eine erste, sehr allgemeine Einteilung der Inkontinenz nach Form ist die

  • Harninkontinenz – Unfähigkeit, den Harn zurückzuhalten
  • Stuhlinkontinenz – Unfähigkeit, den Stuhl zurückzuhalten

Der Grad einer Inkontinenz wird ebenfalls in zwei Gruppen eingeteilt. Harninkontinenz ist nicht mit Harndrang zu verwechseln. Der wesentliche Unterschied zur Inkontinenz besteht in der Konsequenz. Beim Harndrang verspüren die Patienten ständig Druck und haben das Gefühl, immer wieder die Toiletten aufsuchen zu müssen. Bei einer Harninkontinenz fehlt eben genau dieses Gefühlssignal. Die Betroffenen verpassen den Zeitpunkt, an dem eine rechtzeitige Entleerung noch möglich gewesen wäre.

Die leichte Inkontinenz

Infolge einer nicht gänzlichen Kontrolle der Harnentleerung kommt es zu einem unwillkürlichen Herausfließen von Harn in kleinen bis mäßigen Mengen. Die Störung bei der Blasenentleerung kann zum Beispiel durch den Harnfluss aufgrund des Harndrangs kommen, der sich durch ein häufiges Gefühl von Harndrang auf die Blase bemerkbar macht. Zusätzlich wird dieses Problem dadurch verstärkt, wenn man nicht rechtzeitig auf die Toilette gehen kann.

Die schwere Inkontinenz

Es handelt sich hier um eine ausgeprägte Störung im Körper, die meist das Problem des Harnflusses mit der Stuhlinkontinenz verbindet. Die Betroffenen sind zu keiner Zeit in der Lage, die Entleerung von Blase und Darm zu kontrollieren.

Welche Ursachen kann es für Inkontinenz geben?

Das charakteristische Nichthalten von Harn nach einer körperlichen Anstrengung, beim Husten oder Niesen, wird durch die Abschwächung der Beckenmuskeln verursacht. Diese Beschwerde betrifft häufiger Frauen sowie Personen mit Übergewicht und Senioren. Die häufigste Ursache für Harninkontinenz bei Männern ist eine Prostatavergrößerung. Inkontinenz im Alter ist häufig die Folge weiterer Erkrankungen wie Diabetes oder Alzheimer und Parkinson.

Welche Hilfsmittel werden bei Inkontinenz empfohlen?

Die Auswahl eines angemessenen Schutzmittels bei der Seniorenbetreuung ist sehr wichtig. Davon hängt der Komfort der betroffenen Person ab. Beim Einsatz von Windelhosen muss die Größe so ausgewählt werden, dass sie nach dem Anziehen optimal am Körper sitzt. Eine zu kleine Windelhose drückt und verursacht unangenehme Abschürfungen in den Leisten. Ist die Windelhose dagegen zu groß, wird sie seitlich durchlässig. Für eine maximale Sicherheit kann das Bett zusätzlich mit einer weichen hygienischen Unterdecke oder Betteinlagen geschützt werden. Für Menschen mit leichter Inkontinenz empfehlen sich andere Produkte als bei Menschen mit schwerer Inkontinenz.

Personen mit leichter Inkontinenz, bei denen es zum Harnaustritt in kleinen Mengen kommt, werden anatomische Vorlagen empfohlen. Sie ähneln dem Aussehen einfacher Damenbinden. Durch ihren speziellen Aufbau gewährleisten sie eine viel höhere Aufnahmefähigkeit und Sicherheit als normale Binden für die Menstruation. Aktiven Personen, die die Entleerung von Harn teilweise kontrollieren, werden anatomische Windeln empfohlen. Anatomische Windeln werden mithilfe von Netzslips oder Windelhalter befestigt. Es können auch Windeln mit einem elastischen Gürtel zum Einsatz kommen, die man ausziehen und wieder anziehen kann. Des Weiteren können absorbierende Höschen genutzt werden. Sie ähneln einer einfachen Unterwäsche. Sie sind bequem und unauffällig.

Personen, die sich nicht bewegen können, werden Windelhosen empfohlen, die von beiden Seiten mit Heftpflastern geschlossen werden. Diese gewährleisten einen optimalen Schutz, sowohl bei einer mittleren als auch bei einer schweren Inkontinenz.

Anleitung zum Windeln wechseln bei Erwachsenen

Sorgen Sie vor dem Wechseln der Windeln für eine freundliche und vorurteilsfreie Atmosphäre. Für den Kranken ist das Wechseln der Windel gerade beim ersten Mal eine peinliche Situation. Bemühen Sie sich deshalb, dieses Unbehagen zu minimieren.

Achten Sie beim Wechseln der Windeln darauf, Einweghandschuhe anzuziehen. Vor dem Anziehen von Windelhosen müssen diese auseinandergefaltet werden, damit sie die richtige Form annehmen. Es wird dadurch einfacher, sie anzuziehen und sie werden besser passen. Sie sollten den Kranken auf die Seite und unter ihn die Windelhose legen. Legen Sie den Kranken wieder auf den Rücken, strecken Sie seine Beine aus und ziehen Sie den aufgerollten Flügel der Windelhose heraus. Befestigen Sie die Windelhose mit elastischen Klebklettverschlüssen, beginnend mit dem unteren Verschluss, der leicht schräg nach oben befestigt wird. Nach dem Befestigen der unteren Verschlüsse befestigen Sie die oberen Klebklettverschlüsse. Passen Sie dabei die Windelhose an die Taille an. Nach dem Verschließen der Windelhose vergewissern Sie sich, ob sie richtig an dem Körper anliegt, ob die Rüschen nicht zusammengerollt sind und ob sie den Pflegebedürftigen nicht an einer Stelle drücken.

Was tun bei Inkontinenz im Alter?

Die Wahrscheinlichkeit für Inkontinenz nimmt im Alter deutlich zu. Etwa jeder zehnte in Deutschland über 60 Jahre hat Inkontinenz. Bei den über 80-Jährigen steigt die Zahl auf über 30 % an. Damit gehört Inkontinenz zu einer der häufigsten Alterserscheinungen. Der Harnaustritt bei Senioren wird unabhängig vom Geschlecht unter anderem durch altersbedingte Schwächung der Schließmuskel verursacht, der die Austrittsstelle des Urins schließen sollte.

Für die Senioren bedeutet eine beginnende Inkontinenz das sichere Zeichen, dass sie allmählich die Kontrolle über ihre Körperfunktionen verlieren. Sie erleben eine Hilflosigkeit, denn Inkontinenz ist nicht heilbar. Die Senioren können lediglich einen Weg finden, mit ihrer Situation zurechtzukommen, indem sie ihren sich verändernden Körper so respektieren, wie er nun ist. Auch wenn die Zahl der Patienten mit Inkontinenz im Alter sehr hoch ist, bleibt die Scham, denn kaum einer spricht offen über sein Leiden.

Hier hilft nur eines, die betroffenen Senioren müssen den Kontakt zu ihrem behandelnden Arzt suchen. Diese kennen aus vielen Fällen die Ängste und Schwierigkeiten gerade am Anfang. Sie helfen den Senioren, mit der neuen Situation klarzukommen.

Wie unterstützen unsere Betreuungskräfte Senioren mit Inkontinenz?

Pflegende Angehöriger von Senioren mit Inkontinenz wissen um die Scham der älteren Menschen und das ungute Gefühl, dass diese bei einer so heiklen Aufgabe der Körperpflege jetzt auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Doch nicht jeder sieht sich dazu imstande, Senioren regelmäßig an den Toilettengang zu erinnern, sie auf die Toilette zu begleiten oder Inkontinenzmaterial zu wechseln. Auch für die Senioren selbst kann der Gedanke unmöglich mit der bisherigen Familienidylle vereinbar sein. Dank einer Rundum-Betreuung im eigenen Zuhause können die pflegenden Familien dieses heikle Thema an eine externe Person abgeben, die keinerlei Berührungsängste bei diesem Thema verspürt und sich viel besser in die Senioren hineinversetzen kann, da sie diese nur so kennt.

Eine Person, die unter Inkontinenz leidet, kann den Zeitpunkt der Entleerung von Harn oder Stuhl nicht selbständig und willkürlich kontrollieren. Dies erschwert die normale Teilnahme am sozialen Leben. Durch unsere langjährige Erfahrung in der Rundum-Betreuung konnten wir feststellen, dass dieses Problem häufiger bei Frauen als bei Män­nern auftritt.

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