Pflegetagebuch richtig führen: So sichern sich Angehörige Vorteile bei der Pflegegrad-Einstufung
Um Leistungen der Pflegeversicherung zu erhalten, ist eine Einstufung in einen Pflegegrad notwendig. Hierbei spielt das Pflegetagebuch eine zentrale Rolle: Es dokumentiert den tatsächlichen Pflegebedarf im Alltag und kann entscheidend für eine faire Begutachtung sein. Doch wie führt man ein Pflegetagebuch richtig? Wir zeigen, worauf es ankommt.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Pflegetagebuch hilft, den Pflegeaufwand realistisch zu dokumentieren – wichtig für die Pflegegrad-Begutachtung.
- Es sollte mindestens 7 Tage lang alle pflegerischen Tätigkeiten erfassen – inklusive Uhrzeit und Dauer.
- Typische Bereiche: Körperpflege, Ernährung, Mobilität, hauswirtschaftliche Hilfe und Alltagsbetreuung.
- Das Pflegetagebuch erhöht die Chancen auf eine gerechte Einstufung durch den MDK bzw. Medicproof.
- Promedica24 stellt kostenlose Vorlagen und Beratung zur Verfügung.
Warum ein Pflegetagebuch so wichtig ist
Die Pflegeversicherung basiert auf dem individuellen Hilfebedarf. Dieser wird im Rahmen einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) oder Medicproof (bei privat Versicherten) ermittelt. Dabei zählt nicht nur, ob jemand krank oder gebrechlich ist, sondern wie stark er im Alltag eingeschränkt ist.
Ein Pflegetagebuch zeigt, wie viel Unterstützung wirklich nötig ist, und schützt vor Fehleinschätzungen durch Gutachter, die den Alltag nur einmalig und kurz erfassen.
Was gehört ins Pflegetagebuch?
Ein vollständiges Pflegetagebuch sollte folgende Aspekte dokumentieren:
Körperpflege: Was muss übernommen oder unterstützt werden? (z. B. Duschen, Rasieren, Toilettengang)
Ernährung: Hilfestellung bei Zubereitung oder Aufnahme von Mahlzeiten (auch Anreichen von Getränken).
Mobilität: Wie selbstständig ist die Person? (z. B. Transfers, Gehen, Treppensteigen, Rollstuhl, Aufstehen)
Medikamenteneinnahme & medizinische Hilfe: Müssen Medikamente gestellt oder verabreicht werden? Benötigen Sie Hilfe bei Arztbesuchen?
Alltagsbetreuung & soziale Teilhabe: Betreuung bei Orientierungsschwierigkeiten, Demenz oder Angstzuständen.
Hauswirtschaft: Unterstützung im Haushalt, Wäsche, Einkäufe, Müll, Reinigung.
Tipp: Halten Sie auch „unsichtbare“ Leistungen fest – etwa nächtliches Aufstehen, Beaufsichtigung oder emotionale Unterstützung. Dokumentieren Sie diese Tätigkeiten unbedingt.
So führen Sie ein Pflegetagebuch?
- Zeitraum: Mindestens 7 aufeinanderfolgende Tage, besser 14 Tage.
- Täglich, handschriftlich oder digital.
- Struktur: Uhrzeit, Dauer, Tätigkeit, Kommentar.
- Wichtig: Realistisch dokumentieren – weder übertreiben noch beschönigen.
Wie unterstützt das Pflegetagebuch bei der Pflegegrad-Begutachtung?
Der MDK vergibt Punkte in sechs Bereichen der Selbstständigkeit. Ein gut geführtes Pflegetagebuch liefert dazu praxisnahe Belege und erleichtert dem Gutachter eine realitätsnahe Einschätzung.
Beispiel:
Helfen Sie täglich morgens, mittags und abends aktiv beim Anreichen von Getränken und dokumentieren Sie das sorgfältig – so sammeln Sie mehr Punkte im Modul Ernährung.
Auch nächtliche Pflege (z. B. bei Inkontinenz oder Demenz) wird häufig ohne Tagebuch übersehen – und kann einen höheren Pflegegrad rechtfertigen.
Was tun, wenn der Pflegegrad abgelehnt oder zu niedrig ist?
Selbst bei gut geführtem Tagebuch kann es vorkommen, dass der Bescheid nicht dem tatsächlichen Bedarf entspricht. Dann gilt:
- Widerspruch einlegen (innerhalb von 1 Monat nach Bescheid)
- Pflegetagebuch, ärztliche Atteste und Pflegeberichte beifügen
- Optional: Unterstützung durch Pflegeberatung oder Rechtsbeistand
Fazit: Dokumentation ist der Schlüssel zu gerechter Pflege
Ein Pflegetagebuch ist weit mehr als ein bürokratisches Hilfsmittel – es ist ein wirksames Instrument, um Pflege sichtbar zu machen und Angehörige zu entlasten. Durch frühzeitige und gewissenhafte Dokumentation sichern Sie sich nicht nur bessere Chancen auf einen passenden Pflegegrad. Sie schaffen Klarheit und Struktur für den Pflegealltag. Eine professionelle 24-Stunden-Betreuung kann zusätzlich helfen, die Pflege umfassend und entlastend zu gestalten.






